Komponist


Komponieren – eine fast vergebliche Suche nach der eigenen Persönlichkeit


Wer heute komponieren will, steckt in einem Dilemma: Ein Anknüpfen oder Fortführen der Avantgarde scheint nicht mehr möglich zu sein. Jede klangliche Verbindung hat bereits eine Tradition, jedes Instrument stellt klangliche Assoziationen her, die ins 18. und 19. Jahrhundert zurückführen. Eine Orgel steht immer im sakralen Kontext, ein Chor oder auch ein einzelner Sänger kann „nur“ singen, für Klavier zu schreiben, ohne an Schubert oder Debussy zu denken, ist fast nicht möglich. Und der Blick in die kirchenmusikalische Praxis scheint das Dilemma noch zu verstärken, denn liturgisches Komponieren ist an örtliche Gegebenheiten gebunden.

Viele Komponisten sehen nur der Rückzug zu tradierten Kompositionsweisen und -formen. Mit diesem Problem hatten sich allerdings auch schon große Meister vor unserer Zeit auseinanderzusetzen. Diese lernten ihr  Kompositionshandwerk durch Kopieren und Imitieren von Vorbildkompositionen. Bach kopierte ein Leben lang Werke, um daraus zu lernen. Erst vor wenigen Jahren wurden Abschriften Bachs, die mutmaßlich aus der Zeit um 1740 entstanden sind, gefunden. Einer, der sich ständig auf Bach berief, Max Reger, wurde der Vorwurf gemacht, tradierte Formen wie die Fuge bloss weiterzuführen, ohne sie weiterzuentwickeln. Außerdem litt er in seinen ersten Jahren als Komponist unter dem Vorwurf, allzu sehr Brahms verhaftet zu bleiben.

Mein eigener Weg als Komponist ist geprägt von der reichen kirchenmusikalischen Handwerkskammer, die das Studium mit sich bringt. Darin geht es zunächst um das Erlernen unterschiedlicher Techniken und Stile, von denen mich da mente und da penna kontrapunktische Techniken am meisten faszinieren.  Meinen heutigen Standpunkt als Komponist in der Auseinandersetzung mit der Tradition kann ich am einfachsten mit der Metapher einer „Lupe“ erklären. Jede einzelne Note, jeder Takt, jeder Akkord etc. verändert sich durch Zuhilfenahme einer „Lupe“. Je nach dem, wie man die Lupe hält, vergrößert oder verkleinert sich etwas. Eine Halbe- oder Viertelnote dehnt sich plötzlich zu einer punktierten Halbenote mit einer angebundenen Note aus, ein 3/4-Takt mutiert zu einem 5/4-Takt, eine Raumakustik „unter die Lupe“ genommen, wird zum kompositorischen Hilfsmittel für klangliche Intensivierung, ein schlichter Cantus-firmus-Satz verändert sich, wenn aus weiter Entfernung die Melodie mitgesungen wird.

Meiner Art zu Komponieren haftete schon immer etwas Liturgieverbundenes an: Bereits im Kindesalter habe ich komplette Orgelmessen, Liedsätze und vieles mehr geschrieben. Ernster wurde es, als mein lieber Freund James Pfrenger im Juni 1988 in Waldachtal-Salzstetten seine Primiz feierte. Für diesen Anlass schrieb ich mein erstes “Deutsches Ordinarium für Chor und Orgel”, das ich mit meinem damaligen Kirchenchor am 26. Juni 1988 uraufgeführt habe. Seit dieser Zeit habe ich vieles, hauptsächlich für den praktischen Gebrauch, meist für Chor oder Solo, mit und ohne Orgel, geschrieben. Ein Höhepunkt meiner bisherigen Komponistenlaufbahn war die Uraufführung meiner Ostermesse über die Sequenz „Victimae paschali laudes“ für Chor, Orgel, Streicher und Schlagwerk an Ostern 2012. Schön ist es, wenn man von außen Bestätigung in Form von Aufträgen erfährt: Hans de Gilde hat mich schon zweimal mit Aufträgen für den Kinderchor der Ulmer Spatzen betraut. Auch von Thomas Müller, dem Leiter des Scherer-Ensembles, habe ich schon einige Kompositionsaufträge bekommen. Zum Beispiel hatte ich 2015  die Ehre, in das Gewand von Ludwig Senfl (1486 – 1542) zu schlüpfen und einen einstimmigen Ulmer Meistersang für fünf- bis sechsstimmigen Chor auskomponiert (mit allen kontrapunktischen Schikanen wie Imitationen und Kanons). 2016 stand das Jubiläum „500 Jahre Stadtbibliothek Ulm“ an. Für dieses Jubiläum sollte ich wiederum ein Meisterlied aus Ulm vertonen. Auch hier ist wieder viel Kontrapunkt dabei.


Hier ein Überblick über mein kompositorisches Oeuvre


1985/86

Hauptsächlich Choralvorspiele in verschiedenen Stilen für Orgel

1988

Deutsches Ordinarium für James Pfrenger

1989

Hebt euch, ihr Tore; Siehe, eine Jungfrau, Adventsmotetten für Chor

Intrade für Bläser und Orgel

1990

Sechs Skizzen für Orgel

1991

Harmonische Studien in 11 Sätzen über: Großer Gott, wir loben dich

Fantasie und Fuge im Stil von Max Reger über: Den Menschen, die aus dieser Zeit

Verleih uns Frieden gnädiglich, Motette für 8stg. Chor

1992

Choralvorspiele und Kanonische Studien für Orgel

1994

Sonnengesang des Heiligen Franziskus für Alt-Solo und Orgel (Auftragskomposition des Amtes für Kirchenmusik für den Diözesankirchenmusiktag in Ulm 1994)

1995

Bearbeitung des Sonnengesanges für 3 bis 6-stimmigen Frauenchor und Orgel. 1996 wurde er von der Mädchenkantorei des Rottenburger Domes, der das Stück gewidmet ist, auf CD eingesungen. 2006 erschien das Stück im Möseler-Verlag, Wolfenbüttel.

Kinderszenen, 4 Sätze für Streichquartett

Viri Galilaei, Motette im alten Stil für vierstimmigen Chor

2 Gesänge für die Taufe meiner Tochter Hanna für Kantor, Gemeinde, Orgel

1998

Über die Hügel, Motette für sechsstimmigen Chor und Orgel (komponiert für den ökumenischen Kirchentag in Ulm im Mai 1998, Uraufführung im Ulmer Münster durch das Reger Vokal Ensemble)

Vorspiele und Sätze für Erdentöne – Himmelsklang

1999/ 2000

Messe in Es für Chor, Solo-Sopran und Orgel

2 Psalmen für Chor a capella

Missa oecumenica für Bläser und Chor

2 Lieder nach Worten von Georg Trakl (Sopran und Klavier)

2001

Gesang der drei Jünglinge im Feuerofen, für SATB und Orgel (Auftragswerk der Gemeinde Durchhausen zum zehnjährigen Altarjubiläum; uraufgeführt im Oktober 2001)

Seligpreisungen für vier- bis sechsstimmigen Chor a capella

Sonate für Oboe und Orgel (meiner Frau Brigitte gewidmet)

Largo alternativo – Toccatina – Consolation, Drei Stücke für Orgel, veröffentlicht im Carus-Verlag

6 Weihnachtsliedsätze für vierstimmigen Chor

Gottesbegegnung des Elias auf Horeb, Ballade für Tenor und Orgel

2002

3 Weihnachtsliedsätze für Chor, Klarinette und Orgel

Vorspiele und Liedsätze für Erdentöne – Himmelsklang II

Hymnus, Geheimnis der Dreifaltigkeit, Motette für fünfstimmigen Chor und Orgel

Messe zur Primiz von Gerhard Schneider für 3 Chorgruppen, Schola, Bläser und Orgel (uraufgeführt am 14. Juli 2002 in St. Maria Suso)

2003

Florilegium Clarae, 6 Stücke für Orgel über Szenen aus dem Leben der Heiligen Klara

2004

Musik für den Abschlussgottesdienstes des Ulmer Katholikentages in Zusammenarbeit mit Thomas Gabriel.

Da Jesum an dem Kreuze stund, Partita für Orgel

Vesper für Chor, Schlagwerk, Klavier, Orgel, Sopran

2005

3 sinfonische Fugen für Orgel

LIMOT – 3 Stücke für Chor und Klavier nach Texten von Bernd Schmitt (Aufführungen 2005 und 2009)

Präludium und vier Sätze zum Fest Allerheiligen über: Der Himmel soll sich heute freun

2006

Preisend mit viel schönen Reden, für achtstimmigen Männerchor

Unüberwindlich starker Held, Fantasie für Orgel (UA im Oktober 2007 in Hüttisheim)

2007

Proprium für Mezzosopran und Orgel

Jeux d´orgue: Variationen über: Dreifaltiger, verborgner Gott

2007 – 2010

Mehrheitlich Chorsätze für den praktischen liturgischen Gebrauch für Chor, mit und ohne Orgel.

Aussetzen der Continuostimmen für drei Oratorien von Georg Friedrich Händel Im Auftrag des Peters-Verlages

2010

Chorimprovisation für Mädchenchor über: O liebster Jesu, denk ich dein (Auftragswerk des Ulmer Spatzenchores und seinem Leiter Hans de Gilde)

2011/12

12 stimmiger Geburtstagskanon für Barbara Comes.

Grußkarte für Bernd für Viola solo. Bernd Schmitt zum 50. Geburtstag, uraufgeführt von Klaus Brannath am 25. Februar 2012.

Missa sopra “Victimae paschali laudes“ für Chor, Streicher, Schlagwerk und konzertante Orgel

2012

30 Variationen für Klavier über “Leise zieht durch mein Gemüt” von F. Mendelssohn-Bartholdy für Anita

Kanones in verschiedenen Variationen für verschiedene Besetzungen.

2013

Bearbeitung der Kindertotenlieder von Gustav Mahler für fünfstimmigen Chor

Hymne für die Hans-Multscher-Grundschule nach einem Text von Bernd Schmitt

Die Heimat des Menschen ist droben im Himmel, Grabspruch für vierstimmigen Chor.

2014

Die Fliege und die Wanze (SSAA und Klavier ad lib.), Auftragskomposition für den Kinderchor der Ulmer Spatzen und ihrem Leiter Hans de Gilde, nach einem Gedicht von Joachim Ringelnatz

Intonationen und Choralvorspiele zu Liedern des Eigenteils der Diözese Rottenburg-Stuttgart im neuen Gotteslob

Bearbeitungen für Kinderchor und Instrumente für den Carus-Verlag

2 Streichquartettsätze für das Berblinger-Quartett (UA: 31. Januar 2015)

2015

Meistersang I. Fünfstimmige Mottete im Stile Ludwig Senfls über die Silberweise von Hans Sachs

Szenische Kantate über das Leben von Hans Multscher (Text: Christine Kappl und Karin Kiehlneker)

Augen in der Großstadt (Kurt Tucholsky) für dreistimmigen Kinderchor und Klavier im Auftrag von Hans de Gilde für einen Workshop des AMJ in Wolfenbüttel im September 2015.

Kleine Johannes-Passion für Kirchenchöre

Chorimprovisation über: GL 842, Wie mein Gott will bin ich bereit

Drei kanonische Liedsätze für Pfingsten, SSA: GL 343 (Komm, Heilger Geist), GL 348 (Nun bitten wir den Heiligen Geist), Hallelujavers

2016

Meistersang II. Komponiert im Auftrag von Thomas Müller zum 500-jährigen Jubiläum der Stadtbibliothek Ulm. (Uraufführung durch das Scherer-Ensemble am 24. Juli 2016, 19.30 in der Stadtbibliothek).

Bearbeitungen:

1995: 1. Satz der 5. Sinfonie von Charles-Marie Widor für großes Orchester (für die A-Prüfung)

2000: Passacaglia aus: Peter Grimes von Benjamin Britten für Orgel

2000: Adagio aus dem Streichquintett von Anton Bruckner

2006: Communion, Übertragung einer Improvisation von Jean-Pierre Leguay auf Papier